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Brixen & Umgebung
28.07.2010

Das Brixner „Wunder“

Anfang des 20. Jahrhunderts soll in Brixen ein Heilungswunder passiert sein, das nun im Rahmen des Seligsprechungsverfahrens von Mary Ward, der Gründerin des Ordens der „Englischen Fräuleins“ (Congregatio Jesu), überprüft wird. Im Jahr 1936 wurde dem damals zwölfjährigen Franz Putzer aus Brixen von zwei Ärzten eine tuberkulöse Gehirnhautentzündung diagnostiziert. Die Mediziner gaben den Eltern zu verstehen, dass es keine Heilungsmöglichkeit mehr gebe und das Kind in kürzester Zeit sterben würde. Die Mutter ging in ihrer Verzweiflung in die Kirche der Englischen Fräulein und erhielt dort ein Bildchen der Schwester Mary Ward, mit einer kleinen Reliquie derselben. Die Mutter legte dieses Bild mit der Reliquie dem Buben immer wieder auf den Kopf – und wider Erwarten verbesserte sich der Zustand des Buben nach einigen Tagen; auch blieben keine Folgen der Krankheit zurück. Franz Putzer kam dann 1937 für zwei Jahre zum Studium in das Kapuzinerseminar nach Salern, im Herbst 1943 fiel er im Krieg. Um die genauen Umstände dieser Heilung zu überprüfen, wurde von Bischof Karl Golser Anfang Juli ein diözesaner Gerichtshof bestellt, der alle Dokumente und Aufzeichnungen über das Ereignis sammeln und Zeugen befragen wird. Das Ergebnis wird an die Kongregation für Selig- und Heiligsprechungsverfahren des Vatikans in Rom übersandt; dieser obliegt die Entscheidung, ob die Heilung als Wunder betrachtet werden kann oder ob sie eine natürliche Ursache hatte. Ein von Rom anerkanntes Wunder ist nach dem positiven Abschluss des „Tugendprozesses“ – der im Fall von Mary Ward im Dezember 2009 positiv ausfiel – die Voraussetzung für eine Seligsprechung. „Nun geht es darum, unter Mitwirkung des medizinischen Sachverständigen und weiterer Ärzte den Fall zu untersuchen und anhand der damaligen Aussagen von Seiten einer Krankenschwester und der Mutter, aufgezeichnet durch eine Ordensschwester, festzustellen, inwieweit diese Aufzeichnungen den Ärzten hilfreich sein können, um eine Stellungnahme zu diesem Fall abgeben zu können“, erläutert P. Alois Hillebrand, Mitglied der Kommission. Weiters werden Zeugen angehört, die die Glaubwürdigkeit der damals behandelnden Ärzte bestätigen sollen; befragt werden auch die Mitschüler in Salern. Besondere Bedeutung kommt den Aussagen einer Halbschwester von Franz Putzer zu, die sich aus den Erzählungen der Mutter an diesen Fall erinnert.