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Kunst & Kultur
24.06.2010

Der Meistersinger

KONRAD HUBER, 43-jähriger Neustifter und Wahlwiener, singt im Chor der Wiener Staatsoper und kann auf eine rege Konzerttätigkeit im Lied- und Oratoriumsbereich im In- und Ausland verweisen.
Wir treffen Konrad Huber am Tag nach dem Festkonzert des Neustifter Männerchores. 50 Jahre waren mit einem musikalischen Bogen, der sich über die vergangenen Jahrzehnte spannte und von besonderen Momenten erzählte, gebührend gefeiert worden. Konrad Huber hatte dem Konzert mit seinem Sologesang eine einzigartige Note verliehen.

Vor über 25 Jahren war er zum Männerchor Neustift gekommen, „ganz knapp nach dem Stimmbruch und nur für zwei Jahre“. Heute singt Huber im Chor der Wiener Staatsoper. Man habe ihm immer schon „eine ganz gute Stimme“ bescheinigt: in der Mittelschule bei Professor Martin Peintner im Kloster Neustift und später in der Oberschule beim Vinzentiner Knabenchor. Und so hat er sich nach der Matura an die Aufnahmeprüfung des Konservatoriums der Stadt Wien gewagt und wurde auf Anhieb genommen.
Es war ein klein wenig wie der sprichwörtliche Sprung ins kalte Wasser, hatte er doch keine besonderen Kontakte zu irgendwelchen Professoren. Neben dem Sologesang begann er auch Kontrabass zu studieren. Als Bub hatte er sich mit der Geige abgemüht, „da bin ich aber offensichtlich nicht so recht vom Fleck gekommen“. Der Kontrabass faszinierte ihn deswegen, „weil man damit Jazz und Klassik gleichermaßen gut spielen kann“.
Konrad Huber stammt aus einer sehr musikalischen Familie, das Talent zum Singen ist ihm zusammen mit einer gehörigen Portion Begeisterung in die Wiege gelegt worden. Sein Vater, der Felder Seppl, ist Gründungsmitglied des Männerchores, und die anderen drei Felder-Buben singen ebenfalls beim Männerchor. Die Mutter war über ein halbes Jahrhundert Chorsängerin, zwei Schwestern gehören dem Stiftschor Neustift an. Da verwundert es nicht, dass Konrad Huber „ein Typ ist, der sich mit der Chormentalität gut zurechtfindet“.

Flexibilität und Teamfähigkeit sind gefragt, und angesichts der Tatsache, dass der Chor pro Saison an 50 verschiedenen Opern und Operetten mitwirkt, müssen die Mitglieder des Opernchores, oft auch als singende Philharmoniker bezeichnet, stimmtechnisch versiert sein. Mit den weltbesten Solisten und Dirigenten arbeiten zu dürfen empfindet Konrad Huber als Genuss. Was den Alltag eines Berufssängers angeht, so verweist er lachend auf das Buch „Und was machen Sie hauptberuflich?“ von Wolfgang Equiluz, das jede Menge köstliche Anekdoten rund um den Chor der Wiener Staatsoper birgt. Dem Männerchor Neustift zollt er größten Respekt, erinnert sich schmunzelnd an so manches theatralisch ausgeschmückte Lied und ist ganz offensichtlich stolz, dazugehört zu haben.
In Südtirol sang der sympathische Bariton mit dem Faible für die griechische Mythologie „net amol sovl unoft“. Da gab es zum Beispiel vor zwei Jahren im Mai eine Liedermatinee in Kaltern. Etwas spärlich besucht sei sie gewesen, mehr oder weniger habe das Publikum aus der weitverzweigten Verwandtschaft bestanden – und trotzdem war es ein schönes Ereignis, denn Lieder sind die große Leidenschaft des „Felder Konrad“, auch wenn sie sehr viel an Vorbereitung bedürfen. Das italienische Liederbuch von Hugo Wolf hat es ihm angetan, obwohl diese Lieder relativ schwer ins Ohr gehen „und die Zuhörer mit dieser etwas spröden Musik sehr gefordert werden“. Im November wird Konrad Huber übrigens wieder in Südtirol mit der „Fledermaus“ von Johann Strauß Sohn zu Gast sein. Das Südtiroler Operettenensemble unter der Leitung von Leo Ploner und mit Othmar Trenner am Dirigentenpult wird die Operette der Operetten zum Besten geben, und Konrad Huber wird die Rolle des Dr. Falke singen, wird also die Fledermaus sein.

Hin und wieder hat der Wahlwiener, der von sich sagt, er sei eben „in Wien picken geblieben“, Heimweh nach Südtirol, „und da bin ich dann dankbar für die Riesenfamilie, in die ich eingebunden bin“. Die Berge fehlen ihm, „die Berge, die einem erst bewusst werden, wenn man sie nicht mehr um sich hat“. Wenn es Konrad Huber zum Schifahren in die heimische Bergwelt zieht, dann ist er „immer wieder ergriffen“. Sein zweites Refugium ist ein Wochenendhaus im Weinviertel, denn „schließlich bin ich der Sohn eines Weinbauern“.
Steckbrief
Konrad Huber wurde am 23. November 1967 in Brixen geboren. Er wuchs als siebtes von acht Kindern am Felderhof in Neustift auf. Grund- und Mittelschule besuchte er in Neustift, die Oberschule am Humanistischen Gymnasium im Vinzentinum in Brixen. Nach der Matura studierte er Sologesang, Oper, Gesangspädagogik und Kontrabass am Konservatorium, Lied und Oratorium an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst und Musikwissenschaften an der Universität in Wien. Drei Semester lang beschäftigte er sich auch aus ureigenstem Interesse mit Latein und Altgriechisch und mit Theaterwissenschaften. Huber nahm an zahlreichen Meisterkursen teil, darunter bei Erik Werba, Gottfried Hornik und James King und wurde bei verschiedenen Festivals, darunter den Wiener Festwochen und den Salzburger Festspielen, sowie am Wiener Burgtheater engagiert. Der Escamillo in „Carmen“ und der Graf Alamviva in „Le nozze di Figaro“ lagen ihm ebenso wie die Rolle des Odysseus im gleichnamigen Musical. Er kann auf eine rege Konzerttätigkeit im Lied- und Oratoriumsbereich im In- und Ausland verweisen und ist zudem Solist bei den Schönbrunner Schlosskonzerten. Seit 2002 singt er im Chor der Wiener Staatsoper, immer wieder übernimmt er auch Soloparts. Verheiratet ist er mit der Kindersingschulpädagogin Giti, die er am Konservatorium kennen gelernt hat und deren Mutter Griechin und deren Vater Perser ist. Söhnchen Leonidas ist sechs Jahre alt.