24.06.2010
Pro und Contra: Verbindung Jochtal-Gitschberg
Wäre eine Verbindung der zwei Skigebiete Vals/Jochtal und Gitschberg sinnvoll?
Franz Stolz, Präsident des Tourismusvereins Gitschberg-Jochtal: „Wir brauchen ein zeitgerechtes, kundenorientiertes Angebot für den Wintertourismus“
Der Tourismus ist in der Gemeinde Mühlbach die tragende Säule des Wirtschaftsgefüges. Damit wir im Wintertourismus auch in Zukunft erfolgreich sein können, ist es von äußerster Wichtigkeit, hier rechtzeitig die Weichen zu stellen und ein zeitgerechtes und kundenorientiertes Angebot zu schaffen. Die Liftverbindung Jochtal mit Gitschberg wurde auch in der Malik-Studie als notwendige Maßnahme definiert. Mit dem Zusammenschluss der Tourismusvereine Meransen – Mühlbach/Vals/Spinges und Vintl zum Tourismusverein „Gitschberg-Jochtal“, mit der Gründung der „Almenregion Gitschberg Jochtal“ und durch die Einführung der „Almencard“ haben wir uns ein gutes Profil vor allem für den Sommertourismus geschaffen und uns erfolgreich am Markt positioniert. Allerdings gilt es nun, auch für den Winter ein attraktives Angebot und zeitgemäße Strukturen und Aufstiegsanlagen zu errichten. Von Einheimischen und Feriengästen wird immer wieder nach dem aktuellen Stand dieses Projektes „Liftverbindung Jochtal mit Gitschberg“ nachgefragt. Dieses große Interesse beim Kunden zeigt uns, wie stark eine Liftverbindung dieser beiden Skigebiete gewünscht und gefordert wird. Der Skifahrer von heute, im Besonderen der Wochengast, begnügt sich nicht mehr mit einem Pistenangebot von 20 Kilometern. Auch von Fachleuten wird ein Mindestangebot von 40 Kilometern Pisten vorausgesetzt, um als Skigebiet zu überleben und auch in Zukunft erfolgreich sein zu können. Auch durch die Errichtung der Liftverbindung Jochtal mit Gitschberg bleiben wir ein familiäres, überschaubares, gemütliches Skigebiet, werden aber um ein vielfaches attraktiver. Das Projekt wird sehr umweltschonend realisiert, im wunderschönen Altfasstal sind keine Pisten vorgesehen. Auch der Autoverkehr zwischen den Ortschaften wird mit diesem Liftprojekt erheblich reduziert.
Klauspeter Dissinger, Vorsitzender des Dachverbandes für Natur- und Umweltschutz Südtirol: „Gerade Orte wie Vals und Meransen sollten auf einen sanften Qualitätstourismus setzen“
Im Jahr 2002 war für die Verbindung der zwei Schigebiete eine Pendelbahn mit lediglich drei Stützen über das Altfasstal vorgesehen. Bereits dieses Projekt hätte das einzigartige, alpine Juwel des Altfasstales in Mitleidenschaft gezogen. In der Zwischenzeit will man eine Umlaufbahn herstellen, die mit noch viel mehr Stützen und dadurch tieferen Streckenführung das Altfasstal zusätzlich seiner Schönheit berauben würde. Die neue Bahn ist im Ausführungsprojekt komplett anders gestaltet als im genehmigten - es wäre also auf jeden Fall eine neue Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) nötig. Auch die Verlängerung der Schwandpiste um fast einen Kilometer, die erhebliche Lawinenverbauungen und Waldrodungen vorsehen würde, wurde vom Umweltbeirat abgelehnt, von der Landesregierung aber gutgeheißen. Warum benötigen wir dann überhaupt teure Fachkommissionen, die sich intensiv mit der Materie befassen, wenn die Landesregierung trotzdem gegenteilig entscheidet? Mit dem Bau der Liftverbindung werden viele Millionen an Steuergelder ausgegeben - Aufstiegsanlagen werden mit 43 Prozent von der öffentlichen Hand finanziert, - um in zwei Schigebiete zu investieren, die mit 12 Millionen Euro bereits hoch verschuldet sind. Weiters sollten gerade Orte wie Vals und Meransen auf einen sanften Tourismus setzen: Skifahren ist in Mitteleuropa stark rückläufig, immer mehr Touristen setzen auf andere Wintersportarten wie Schilanglauf oder Schneeschuhwandern. Zudem sucht auch der Wanderer im Sommer unberührte Gegenden. Touristen und in erster Linie die Einheimischen schätzen zunehmend die intakte Natur, die ja schlussendlich auch unser Kapital ist. Versuchen wir nicht, mit Skigebieten wie den Kronplatz zu konkurrieren, sondern gehen wir den Weg des sanften Qualitätstourismus, der Respekt für die Umwelt und die Kultur der Menschen hat!