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Sport
24.06.2010

Junge Vize-Italienmeister

Die Junioren des SSV Brixen Sektion Fußball eilten nach dem Gewinn der Regionalmeisterschaft von Sieg zu Sieg und konnten nur im Finale um den Italienmeistertitel der Amateure gestoppt werden. Sie feierten somit den größten Erfolg in der Geschichte des Brixner Fußballs.
Für die Schützlinge von Trainer Alessandro Vacalebre muss es sich angefühlt haben wie im Traum: Am 12. Juni standen sie in Rom im Finale um den Italienmeistertitel der Junioren-Regionalmeister im Amateurbereich, wobei das Spiel live und in voller Länge im TV-Sender RaiSportPiù übertragen wurde. Gegner war kein geringerer als „Tor di Quinto“ aus Rom, dessen Vereinssitz lediglich einige Kilometer entfernt vom Finalspielort liegt. „Tor di Quinto“ ist in unserer Gegend zwar relativ unbekannt, der Verein prägt aber als fünfmaliger Junioren-Italienmeister seit vielen Jahren beträchtlich den italienischen Fußballnachwuchs.    

Obwohl die Brixner als Außenseiter und Nobody in dieses Finalspiel gegangen sind, konnten sie aufgrund einer sehr starken Abwehrleistung gut mithalten. Während in der ersten Halbzeit ein Klassenunterschied klar erkennbar war und Tor di Quinto „nur“ mit 1:0 führte, waren die Brixner in der zweiten Halbzeit ein ebenbürtiger Gegner. Am Ende der Spielzeit war sogar die Chance auf den Ausgleich vorhanden, da der Brixner Christian Vecchio im Strafraum zu Boden gerissen wurde, aber der geforderte Schiedsrichterpfiff ausblieb. Das Spiel ging schlussendlich mit 0:1 verloren. Dennoch können sich die Brixner stolz Vize-Italienmeister nennen. „In der ersten Halbzeit hatten wir wahrscheinlich zuviel Respekt vor dem Gegner, sodass wir nicht zu unserem gewohnten Spiel kamen,“ erläutert der Brixner Erfolgstrainer Alessandro Vacalebre.
Auf jeden Fall hat der SSV Brixen aber durch seine Leistungen und das sportliche Verhalten italienweit auf sich aufmerksam gemacht. „Ansprachen der nationalen Verbandsverantwortlichen und der gegnerischen Vereinsfunktionäre haben dies bestätigt“, freut sich Konrad Markart, Verantwortlicher der Juniorenmannschaft. Stolz können die Brixner allemal sein, zumal so ein erfolgreicher Meisterschaftsabschluss nicht nur für den SSV Brixen einen Riesenerfolg darstellt, sondern regionalweit Seltenheitswert hat: Nur Virtus Don Bosco Bozen im Jahr 1963), AC Bozen im Jahr 1971 und im Jahr 1989 Settaurense schafften dasselbe Ergebnis.
 
Vorangegangen war dem Finalspiel aber alles andere als ein leichter Weg, dieser Erfolg ist sozusagen die Ernte einer jahrelangen kontinuierlichen Aufbauarbeit. Trainer Alessandro Vacalebre hatte viele der heutigen Junioren-Spieler in der damaligen B-Jugend übernommen und ist ihnen als Trainer von Jahr zu Jahr bis hin zur Juniorenmeisterschaft gefolgt. Gekrönt wurde diese Aufbauarbeit und die Basisarbeit der Brixner Fußballschule erstmals im Vorjahr, als der SSV Brixen mit der A-Jugend, der B-Jugend und den Junioren gleich drei Jugend-Regionalmeister stellte – italienweit ein Novum! Angespornt vom Erfolg des Vorjahres konnten auch heuer wieder die Mannschaften der A-Jugend und der Junioren den Regionalmeistertitel nach Brixen holen.

Bei den Junioren lag das ursprünglich angestrebte Ziel darin, einen Platz um den fünften Tabellenplatz zu erreichen. Da aber bereits die ersten acht Meisterschaftsspiele gewonnen wurden, musste das Saisonziel nach oben geschraubt werden. „Technisch gesehen war die heurige Juniorenmannschaft weniger stark wie die A-Jugend des vorigen Jahres“, meint Alessandro Vacalebre. Was den Unterschied ausmachte, war „die Mentalität, das Kämpferherz und der enorme Siegeswille.“ Zudem wurden sieben Spiele erst in den letzten fünf  Spielminuten durch ein spätes Brixner Tor entschieden. Laut Trainer Vacalebre sei dies jedoch nicht Zufall, sondern zumeist das „das Ergebnis vom großen Kampfgeist der Mannschaft.“

Gut geklappt hat auch die Zusammenarbeit mit der ersten Mannschaft: Des Öfteren wurden Spieler an die Kampfmannschaft ausgeliehen und umgekehrt. Am Ende der regulären Meisterschaftssaison fanden sich die Spieler um Kapitän Felix Huber mit 23 gewonnen Spielen, drei Unentschieden und vier verlorenen Spielen unangefochten vor Naturns und Trento Calcio am oberen Tabellenrand wieder und standen somit als Regionalmeister fest. Bei der darauf folgenden Italienmeisterschaft der Junioren, bei der nur die jeweiligen Regionalmeister aus ganz Italien teilnehmen durften, konnten die Brixner im Achtelfinale die Spiele gegen Ancona Udine, dem Regionalmeister aus dem Friaul, mit 5:2 und gegen Castelnuovosandrà, dem Regionalmeister aus dem Veneto, mit 2:1 gewinnen. Das Viertelfinale gegen GSD Bogliasco D’Albertis aus Ligurien entschieden Knoflach & Co. knapp durch ein Elfmeterschießen für sich. Im Halbfinalspiel war Faenza Calcio, der Regionalmeister aus der Emilia Romagna, zu Gast, wobei die Brixner sowohl das Heimspiel in Brixen mit 2:0 als auch das Auswärtsspiel mit 1:2 für sich entschieden.  Der Sensationsmannschaft aus dem Eisacktal stand somit für den Finaleinzug nichts mehr im Wege.  

Erfolgreichster Torschütze der Brixner war Damian Fanani, der in den 37 Spielen über die gesamte Saison insgesamt 29 Treffer erzielte. Erwähnenswert ist, dass Fanani nicht nur Brixner Torschützenkönig ist, sondern dass er, im Jahr 1993 geboren, als absolut jüngster Spieler des gesamten Kaders sogar noch in der altersmäßig tieferen A-Jugend spielberechtigt wäre.

Auf die Ziele des nächsten Jahres angesprochen, erklärt Konrad Markart, dass „im nächsten Meisterschaftsjahr sicherlich nicht mehr mit derselben Mannschaft zu rechnen ist, da ein Teil der heutigen Junioren-Stammspieler in die erste Mannschaft des SSV Brixen nachrücken wird und einige andere voraussichtlich wegfallen werden.“ Auch die Zukunft des Erfolgtrainers Vacalebre ist noch ungewiss: „Es waren fünf fantastische Jahre, aber alles hat einen Anfang und ein Ende“, meint der Trainer dazu. So will sich Alessandro Vacalebre nun überlegen, „ob ich nun wieder einen „Neuanfang mit der B-Jugend wage oder ob ich eine Pause einlege, um wieder etwas mehr bei meiner Familie zu sein.“ 
 
thomas.oberrauch@brixner.info