24.06.2010
Crashkurs Flussraum
Im Zuge des von der Europäischen Union finanzierten Projekts „Stadt – Land – Fluss“ wurde im Biotop des Kloster Neustifts ein Veranstaltungsangebot für Grund- und Mittelschüler angeboten. Schwerpunkte dieser Sensibilisierungsarbeit sind die Gewässerökologie und die Hochwassersicherheit.
Es ist ein denkbar günstiger Ort: Das im letzten Jahr neu gestaltete Biotop des Ökozentrums im Bildungshaus des Klosters Neustift bietet einen idealen Rahmen für das naturnahe Unterrichtsprogramm, das vom Biologen Stefan Gasser zum Thema „Flussraum Mittleres Eisacktal“ für die Brixner und Vahrner Grund- und Mittelschüler entwickelt wurde. Zwei Einheiten umfasst das dreistündige Programm, inhaltlich anlehnend an die zentralen Kernthemen des Flussraummanagements: die ökologische Aufwertung der Gewässer sowie Maßnahmen zur Hochwassersicherheit derselben.
Im ersten Teil lernen die Schüler die in den Gewässern von Biotop und nahe gelegenem Eisack lebenden Insekten und deren Lebensraum kennen. Dabei gilt es nicht nur, die Tiere ausfindig zu machen und einzufangen. Gemeinsam mit Biologen und Naturpädagogen werden deren Lebens- und Überlebensstrategien in den jeweiligen Gewässern analysiert und beschrieben. Auch die Vielfalt der gewässernahen Flora wird begleitend ins Visier genommen und besprochen.
Der zweite Teil des Programms schließlich widmet sich auf spielerische Art dem Thema Sicherheit und Hochwasserschutz: ein Themenfeld, bei dem zunächst ein genereller Blick auf das Verhältnis von Mensch und Fluss, auf die verschiedenen Arten der Nutzung unserer Gewässer und auf die diversen damit verknüpften Problemfelder geworfen wird. Weil die potenziellen Gefahren der Bäche und Flüsse stark mit seiner Be- und Verbauung zusammenhängen, erarbeiten die Schüler sich das Wissen zu den Eigenarten unterschiedlicher Bachtypologien an Modellen, die sie selbst erbauen. Am sandigen Flussufer des Eisacks teilen sich die Schüler in mehreren Gruppen auf und erhalten die Aufgabe, ein Bachmodell zu bauen. Zur Auswahl stehen diverse Formen und Verläufe, wie wir sie von den heimischen Bächen kennen: begradigte und regulierte Abschnitte genauso wie naturnah gebliebene Bäche mit natürlichen Verzweigungen, Flussarmen oder Inseln.
Der Fantasie der Kinder wird hierbei freien Lauf gelassen, genauso wie hernach dem Wasser, das die Kinder in ihren selbst gebauten Bächen fließen lassen. „In der Beobachtung von Fließgeschwindigkeit und Verhalten des Wassers können die Schüler erkennen, welche Bedeutung der Art des Verlaufs und somit der Flussraumgestaltung zukommt“, so Mareike Uhle vom Ökozentrum in Neustift. „Für die Kinder werden in diesem Experiment auch die Fragen beantwortet, warum so viele Bäche begradigt worden sind und warum ein Bach zu gewissen Zeiten viel Platz braucht, um sich auszubreiten“.
Rund 20 Klassen aus den verschiedenen deutsch- und italienischsprachigen Grund- und Mittelschulen von Brixen und Vahrn haben sich bisher zu dem kostenlosen Flussraum-Unterricht angemeldet, der im letzten Monat erstmals stattgefunden hat und in einem weiteren Block noch im Oktober angeboten wird.