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Kunst & Kultur
11.06.2010

ZEITMESSER: 100 JAHRE „BRENNER“

11. Juni bis 19. September 2010, Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck, Di–So, 10–18 Uhr
Ludwig von Ficker begründete 1910 die Kulturzeitschrift „Der Brenner“ und gab, mit Unterbrechungen, bis 1954 dieses wichtige Dokument österreichischer Geistesgeschichte heraus. „Die Fackel“ von Karl Kraus war das Vorbild für diese Zeitschrift, deren Titel „Der Brenner“ nicht nur auf den Brennerpaß verwies. Die Zeitschrift sollte dazu beitragen, den provinziellen Kulturbetrieb in Tirol aufzubrechen. Vor dem Ersten Weltkrieg entwickelte sie sich zunächst zu einem brisanten kulturkritischen Blatt, in dem lange Zeit Carl Dallago und Max von Esterle den Ton angaben. Darüber hinaus gab insbesondere die Lyrik Georg Trakls, der als Fickers wichtigste literarische Entdeckung gilt, der Zeitschrift von 1912 bis 1914 ihre unverwechselbare Prägung.

Durch die Geschehnisse des Ersten Weltkriegs kam es zu einer neuen Schwerpunktbildung. Unter Beibehaltung der kritischen Urteilsschärfe kam es zu einer intensiven Auseinandersetzung mit Christentum und Kirche. Ab 1926 widmete sich die Zeitschrift einer stark visionär ausgerichteten Erörterung theologischer Zeitfragen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg erschienen in drei Bänden eschatologische Beiträge poetischer und essayistischer Art. Aber auch Rückblicke auf die Beziehungen der Zeitschrift „Der Brenner“ zu Georg Trakl, Carl Dallago, Rainer Maria Rilke, Ludwig Wittgenstein und Ferdinand Ebner, deren Bedeutung erst damals im vollen Ausmaß erkannt wurde, wurden publiziert.

In der Ausstellung, die gemeinsam mit dem Forschungsinstitut Brenner-Archiv der Universität Innsbruck erarbeitet wurde, wird das Wirken der Zeitschrift innerhalb und außerhalb Tirols aufgezeigt. Neben Gemälden u.a. von Oskar Kokoschka, Max von Esterle oder Max Weiler sind in der Ausstellung Autographen und Werkmanuskripte aus der Redaktion des „Brenner“ zu sehen.

Von Porträts Ludwig von Fickers begleitet, wird der Bogen der Ausstellung von der Gründung der Zeitschrift bis hin zum späten „Brenner“ gespannt. So werden die Beziehungen zur Moderne aufgezeigt und zugleich kritisch betrachtet und auch die wichtigsten Autorinnen und Autoren des „Brenner“ vorgestellt. Ein abschließender Beitrag ist den Sammlungen und dem Wirken des Brenner-Archivs gewidmet.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Beiträgen von Judith Bakacsy, Ingrid Fürhapter, Barbara Hoiß, Johann Holzner, Allan Janik, Iris Kathan, Sieglinde Klettenhammer, Martin Kofler, Kerstin Mayr, Walter Methlagl, Christiane Oberthanner, Christine Riccabona, Anna Rottensteiner, Eberhard Sauermann, Ursula A. Schneider, Ilse Somavilla, Annette Steinsiek, Gerald Stieg, Anton Unterkircher, Sandra Unterweger, Wolfgang Wiesmüller, Erika Wimmer und Verena Zankl (mit zahlreichen Abbildungen, 368 Seiten, 24,90 €, ISBN 978-3-902719-67-6).
Die Ausstellungsgestaltung wurde von dem Architekturbüro columbosnext.architektur & arch.wernerburtscher entwickelt.

RAHMENPROGRAMM
KURATORENFÜHRUNGEN mit Univ.-Prof. Dr. Johann Holzner
Sonntag, 13. Juni und 19. September 2010, 11 Uhr
THEMENFÜHRUNGEN
Sonntag, 4. Juli 2010, 11 Uhr mit Dr. Anton Unterkircher: Kunst und Künstlertum im „Brenner“.
Sonntag, 1. August 2010, 11 Uhr mit Univ.-Prof. Dr. Johann Holzner: Karl Kraus, Georg Trakl
und der „Brenner“.
Sonntag, 5. September 2010, 11 Uhr mit Dr. Ursula A. Schneider: Der lange Schatten Otto Weiningers. Frauen und das Frauenbild im „Brenner“.
PERSPEKTIVEN DER LITERATURVERMITTLUNG
Internationale Fachtagung an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck in den Claudiana-Sälen, Herzog-Friedrich-Straße 3 (1. Stock) von Donnerstag, 10. bis Sonntag, 13. Juni 2010
Festvortrag am Samstag, 12. Juni, 20 Uhr von Peter Uwe Hohendahl (Cornel): „Der Literaturkritiker Adorno im Kontext der Literaturkritik der Nachkriegszeit“ in den Claudiana-Sälen, Herzog-Friedrich-Straße 3 (1. Stock).
Detailinformationen unter: http//iza.uibk.ac.at