27.01.2010
Der Einsteiger
WERNER PROSCH, nachgerückter Stadtrat in Brixen und hauptberuflich Bauer, über seinen Einstieg in das politische Amt und seine Arbeit als Landwirt.
„Du musst!“ hatte man ihm gesagt, als es darum ging, den frei gewordenen Platz von Franz Stockner im Brixner Stadtrat wieder zu besetzen. Einen Bauern aus einer Brixner Fraktion wollte man unbedingt haben „und keinen Stadtler“, sagt Prosch. Einen Bauer, der für die Bereiche Forst- und Landwirtschaft, Veterinärssanität, Hofzufahrten, Spazierwege, Trink- und Beregnungsinteressentschaften, aber auch für den sozialen und geförderten Wohnbau sowie für die öffentlichen Arbeiten und die Fraktionsverwaltung zuständig ist.
Werner Prosch hat sich somit schließlich hineingewagt in eine Welt, die für ihn neu und ungewohnt war, denn Stadtrat werden wollte er eigentlich nie. Mittlerweile hat er sich an den neuen Rhythmus gewöhnt. „Volle interessant“ sei die Arbeit, meint er, „man kann als Stadtrat schon einiges bewegen“. Aber Stadtrat zu sein, das ist in einer Stadt wie Brixen ein Vollzeitjob. Bei der Arbeit am Hof unterstützt ihn seine Familie tatkräftig, denn schließlich gilt es, 23 Stück Vieh zu versorgen, und nächstes Jahr möchte Werner Prosch auf Biomilch umstellen.
„Früher war ich sehr sportlich, aber irgendwann hat dann einfach die Zeit fürs Radfahren und Berglaufen gefehlt“, erzählt er. Hin und wieder geht er noch zum Paragleiten oder genießt eine Skitour.
In die Politik ist der sympathische junge Bauer „irgendwie hineingerutscht“. Er saß im Ortsauschuss der Südtiroler Volkspartei in St. Andrä, und irgendwann überredete man ihn dazu, für den Brixner Gemeinderat zu kandidieren. Prosch war dann schließlich der erste Nichtgewählte auf der Liste und rückte nach, als Silvia Zanotto nach einem Jahr vom Gemeinderat ins Forum Brixen wechselte. „Da war ich auf einmal mittendrin“, lacht er heute, „aber ich bin das Arbeiten ja gewöhnt“. Und als dann im März vergangenen Jahres Franz Stockner von seinem Amt als Stadtrat zurücktreten musste, bedeutete das für den begeisterten Landwirt, sich einer weiteren Herausforderung zu stellen. Irgendwie wird es schon gehen, hat er sich gedacht, und dabei dürfte der Alltag im Stadtrat für den Newcomer nicht immer einfach gewesen sein.
Zunächst musste er sich wieder einen Überblick verschaffen, während die anderen Stadträte bereits einen großen zeitlichen Vorsprung hatten. Sein Motto ist dabei „Tun statt Reden, aber als Politiker ist das nicht immer gefragt“. Der junge Bauer, der „immer noch Single ist“, wirkt bodenständig und unkompliziert. Er strahlt eine gewisse Gelassenheit aus, obwohl sein Redetempo geradezu rasant ist. „Was geht, geht“, meint er mit einem breiten Grinsen. Natürlich möchte er bei den kommenden Gemeinderatswahlen wieder kandidieren. Eines stellt er aber unmissverständlich klar: Er tut das für seine Wähler und nicht für sich. Und er ist auch ein klein wenig stolz darauf, dass er nicht von seinem politischen Mandat abhängig ist, „denn schließlich bin ich ja immer noch Bauer“. Trotzdem fasziniert ihn die Politik, „denn im Endeffekt arbeitet man für die Menschen, und das alleine zählt“.
Steckbrief
Werner Prosch wurde am 13. Dezember 1972 in Brixen geboren. Als zweitältester von vier Geschwistern wuchs er am Gostnerhof in St. Leonhard auf. Seine Mutter war Lehrerin, der Vater Bauer. Die Grundschule besuchte Werner Prosch in St. Andrä, die Mittelschule in Brixen. Nach dem Abschluss der Mittelschule begann er, am Hof mitzuarbeiten. Er besuchte einen landwirtschaftlichen Grundkurs in Dietenheim und absolvierte später die dreijährige bäuerliche Unternehmensschulung. 1999 hat er den elterlichen Hof übernommen und nach neuen Wegen in der Verarbeitung von landwirtschaftlichen Produkten gesucht. Seit drei Jahren stellt Werner Prosch als einziger Bauer in Südtirol Bauernhof-Eis her und verkauft es an Gasthäuser, Geschäfte und auf dem Bauernmarkt. Seit über zehn Jahren ist er Mitglied der Feuerwehr, außerdem war er Obmann der Bauernjugend und arbeitet bei der Alminteressentschaft und der Viehversicherung mit.