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Brixen & Umgebung
27.01.2010

Voll besetzt

Fahrgäste an den Bushaltestellen in Mühlbach, Schabs oder Neustift werden immer wieder mit einem „Der Bus ist schon voll besetzt!“ abgewiesen. Überlegungen, wie man diesen Engpass entschärfen kann, sind indes im Gange.
Südtirol hat ein dichtes Netz an öffentlichen Verkehrsmitteln. Im Stunden- oder vielfach im Halbstundentakt bringen Züge und Busse die Fahrgäste zu sehr niedrigen Preisen an ihr jeweiliges Ziel. Doch das System leidet auch an seinen hohen Nutzerzahlen und damit an seinem eigenen Erfolg. So kann es einem Fahrgast durchaus passieren, dass er an einer Haltestelle auf den Bus wartet, und wenn dieser endlich anhält, ist kein Platz mehr frei. Kaum ist die Bustür geöffnet, wird der Fahrgast auch schon abgewimmelt. Die wenig Schüchternen drängeln sich trotzdem in den Bus, die anderen warten auf den nächsten.

Solche Situationen spielen sich an Südtiroler Haltestellen immer wieder ab, vor allem an bestimmten Orten und zu bestimmten Uhrzeiten. Besonders häufig ausgelastet ist jener Bus, der von Vintl kommend um 8.17 Uhr Mühlbach passiert und um 8.35 Uhr in Brixen ankommt. Die Fahrgäste in Schabs und Neustift müssen oftmals bei einem voll belegten Bus an der Haltestelle zurückbleiben. Der Bus wird vor allem deshalb gut genutzt, weil er der letzte ist, der noch vor 9 Uhr Brixen erreicht. Somit ist er für jene interessant, die ab 9 Uhr ihre Arbeit beginnen oder am frühen Vormittag in einem Amt etwas erledigen müssen und danach noch Zeit  für einen Einkaufsbummel in der Stadt haben wollen.
Das weiß auch Heinz Dellago, der im Amt für Personenverkehr für den öffentlichen Nahverkehr zuständig ist: „In der Tat haben wir auf dem Streckenabschnitt von Vintl/Mühlbach bis Brixen zu gewissen Zeiten ein Problem, obwohl auf dieser Strecke auch der Zug im Halbstundentakt verkehrt. Für einen Mühlbacher ist eine Zugfahrt nach Brixen jedoch keine Alternative, weil sie länger dauert und der Zug zudem nur am Brixner Hauptbahnhof hält. Für die Fahrgäste aus Schabs oder Neustift ist der Bus wegen des fehlenden Bahnhofs gar das einzige öffentliche Verkehrsmittel“.
Problematisch wird die Platzsituation immer dann, wenn unangemeldete Personengruppen an den Haltestellen stehen. Weil kaum Fahrgäste an den Haltestellen vor Brixen aussteigen, aber immer welche zusteigen, ist die Kapazitätsgrenze schnell erreicht. „Wenn wir rechtzeitig Gruppenanmeldungen bekommen, dann planen wir einen weiteren Bus ein – darauf haben wir vor allem die Schulen in Südtirol mehrmals aufmerksam gemacht“, erläutert Dellago, gibt aber gleichzeitig zu bedenken, dass jeder zusätzliche Bus beträchtliche Kosten mit sich bringt.

Eine mögliche Strategie, um die Situation auf der Route Brixen-Mühlbach zu entspannen, ohne die Kosten aus den Augen zu verlieren, hat Heinz Dellago bereits im Kopf: Das Pustertal bietet entlang der Hauptverkehrsroute sowohl einen Halbstundentakt auf der Bahnstrecke als auch einen gemischten Halbstunden- und Stundentakt für die Busse. Diese Busse möchte man auf der Gesamtroute auf einen Stundentakt reduzieren – außer zu den Stoßzeiten am Morgen, Mittag und Abend. „Dafür soll auf dem Abschnitt Mühlbach bis Brixen eine eigene Linie im Halbstundentakt verkehren. Mit einem solchen Angebot müssten wir das Problem der vollen Busse an den Haltestellen vor Brixen in den Griff bekommen.“
Der nächste neue Fahrplan wird zeigen, ob diese Idee auch Realität geworden ist.